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2. Mai 2023

50-Plus: Jetzt (noch) eine Immobilie kaufen?

Die Kinder gehen ihrer Wege. Ihr eigenes Leben hat längst begonnen. Du gehörst zur Zielgruppe 50-Plus. Es heißt: „Wenn die Kinder aus dem Haus sind, wird es zum Grab.“ Das lieb gewonnene Eigenheim wirkt (zu) groß und leer. Irgendwie staubig und benutzt. Einige Zimmer sind verwaist. Immer mehr Unrat und Zeug hat sich angesammelt. Vorbei sind die schönen Zeiten des Spielens und Tobens. Draußen spielt niemand mehr Fußball oder Pferdchen. Wo sind die Jahre nur geblieben? Stattdessen diese mörderische Stille. Du wußtest nicht, dass Stille so schmerzhaft sein kann. Seit vielen Jahren an diesem Ort. Den Heimweg nach der Arbeit kanntest Du im Schlaf – bist ihn doch tausende Male gefahren. Deinen 50. Geburtstag hast Du bereits gefeiert. Und nun? Enkelkinder gibt es derzeit keine. Irgendeine neue Aufgabe mit schöner Energie gegen dieses ganze fürchterliche Grau des langsam Älterwerdens. Das wäre toll. Und vielleicht noch einmal durchstarten, bevor Du wirklich zu alt geworden sein wirst? Und vielleicht sogar in liebevoller Gemeinsamkeit mit dem Menschen, mit dem Du es ja schon einmal begonnen hattest.

Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangens zu vertrauen.

Bezogen auf das Familienhäuschen stellst Du vielleicht fest, dass Euer Wohnraum kleiner werden darf. Neue Möbel, neue Küche und irgendwie auch das Bad – am liebsten ALLES neu. Und vielleicht soll es tatsächlich ein neuer Ort werden. Das bedeutet ein kleineres Objekt für 2 Personen plus Gästezimmer. Ein kleinerer Garten oder sogar nur Terrasse oder Balkon würden schon reichen. Und wofür? Diesmal für DICH bzw. für EUCH. Für die Familie hast Du all die Jahre vieles gegeben. Aus Liebe und von Herzen. Und nun darfst Du selbst wieder in den Fokus Deiner Entscheidungen treten. Ja, Du darfst es Dir erlauben.

Vielleicht zögerst Du aber noch. Immerhin hast Du über all die Jahre einige Beziehungen geknüpft. Vielleicht ist sogar etwas Freundschaft dabei. Gute Nachbarschaft auf jeden Fall! Willst Du das aufgeben? Und an Deinem Ort kennst Du ja schließlich auch Deine ‚Sweet Spots‘: Bäcker, Arzt, Konsum und auch der Imbiss sind in Deiner Nähe und Du kennst sie alle. Wer weiß, ob es woanders so gute Brötchen geben kann? Ob es überhaupt noch irgendwo auf der Welt Gebäck gibt? Du willst zwar weniger Ballast und Volumen, aber dann ist da ja auch noch der finanzielle Aspekt. Den darf man natürlich nicht unterschätzen. Immerhin hast Du ja Dein Leben lang in dieses -und kein anderes- Haus investiert. So viel Arbeit, Zeit und natürlich Geld! Willst Du das wirklich zurücklassen? War dann nicht alles umsonst? Überhaupt bekommst Du für das gleiche Geld aus dem Verkauf ja deutlich weniger: Weniger Fläche, weniger Grundstück und weniger Sicherheit. Das wäre kein gutes Geschäft.

Kaufen oder mieten?

Bekanntlich gibt das Herz keine Ruhe, bis seine Träume und Wünsche in Erfüllung gegangen sind. Zu stark ist dann doch irgendwann die Sehnsucht nach Aufbruch und Neuanfang. Du kannst das ganze alte Zeug einfach nicht mehr sehen! Die Immobilienbranche hat Dich längst gefunden. Du hast das nötige Kleingeld und träumst von einer Lösung ohne die Kompromisse, die Du früher zu Beginn Deiner Karriere noch machen musstest. Und wahrlich, Du kannst es Dir jetzt leisten. Du bist Teil der Zielgruppe. „Am besten kaufen!“, raten sie Dir. Entweder als neues eigenes Heim oder vielleicht in Form einer eingetragenen Genossenschaft. Dann bliebe ja auch noch etwas für die Kinder erhalten. Vielleicht hilft dieser Gedanke gegen die Schuldgefühle, ihnen ihr Nest einfach so zu entziehen und es zu verkaufen. Bezahltes Wohnen ist ja auch etwas Feines. Solch eine Immobilie für 50-Plus hat vielleicht 85 Quadratmeter anstelle der 160 bisher. Und sie kostet in ihrer Lage 360.000,- EUR. Diese Liquidität, die vielleicht aus dem Verkauf des alten Hauses stammt, wäre dann im Tausch gegen das Objekt weg. Das ist allerdings nicht ganz korrekt: Die Kaufnebenkosten kommen noch hinzu. Ohne Maklerprovisionen sind 10% nicht unrealistisch. Bei ehrlicher Betrachtung kostet das Haus 50-Plus also knapp 400.000,- EUR. Mit Maklerprovision noch etwas mehr.

Stattdessen könntest Du solch ein Objekt vielleicht auch mieten. Mieten statt besitzen? Wäre das nicht sozial abgestiegen? Und dann diese Risiken! Hand aufs Herz: Es spielt keine Rolle, ob Du mietest oder besitzt, wenn es um Energie- und Nebenkosten geht. Die Nachbarschaft ist davon ebenso unbeeindruckt. Hier hat das Mieten sogar Vorteile: Wenn es nicht funktioniert, kannst Du leichter wieder verschwinden. Und wenn Du später woanders etwas noch Schöneres findest, erst recht. Mit den meisten Reparaturen hast Du finanziell recht wenig zu tun. Das größte Risiko ist die vermieterseitige Kündigung wegen Eigenbedarf. Aber sonst?

Und wieder hilft etwas Mathematik:

Und wenn wir nachrechnen, kommen wir auf ein verblüffendes Ergebnis: Unser oben skizziertes Objekt könntest Du vermutlich für rund 1.200,- EUR monatlich kalt mieten. Anstelle 400.000,- EUR kannst Du für 27,78 Jahre Miete zahlen. Erst wenn Du älter als 84 werden solltest, zahlst Du sozusagen drauf, wenn Du heute Mitte Fünfzig bist. Die Immobilienbranche argumentiert mit der zu erwartenden Wertsteigerung. Dagegen kann man aber durchaus die höher zu erwartende Wertpapierrendite rechnen, wenn Du Dein Geld zu Beginn mit den richtigen Regeln anlegen kannst. Bei nur 2 %-Punkten Renditevorteil von Wertpapieren im Vergleich zur Immobilie verlängert sich der Amortisationshorizont auf 40 Jahre und länger.

Mieten ist keine Schande. Natürlich gibt es sozio-strukturelle und emotionale Gründe, auch mit über 50 noch eine Immobilie kaufen zu wollen. Das Vererben scheint hierbei recht wichtig zu sein, berichten mir Menschen wiederholt. Nur wenige fragen ihre Kinder frühzeitig, ob sie das überhaupt wollen. Eltern meinen es meistens gut. Manchmal übertragen sie ihre eigenen Werte ungefragt und selbstverständlich auf die nächste Generation. Gekaufte Immobilien besitzen nach wie vor eine unerklärliche Anziehungskraft. Der Entzug von Freiheit und Beweglichkeit wird immer wieder eingegangen. Wer sich persönliche Freiheiten bewahren will und unsicher ist, wie die Phase zwischen Kindern und Rente zu gestalten ist, ist mit einer bewusst angemieteten Traumimmobilie nicht schlecht gestellt. 

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